2017

2017 Heft 4

Artikel

 Editorial, (2017), 60 Jahre Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung der Arbeiterkammer Wien: Ein programmatischer Ausblick,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S487-498
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Stefan Vogtenhuber, David Baumegger, Lorenz Lassnigg, (2017), Überqualifikation und Verdrängung am österreichischen Arbeitsmarkt im Zeitverlauf,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S535-568
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Diese Studie untersucht das Zusammenspiel von Qualifikation und Beschäftigung am österreichischen Arbeitsmarkt im Zeitverlauf von 1994 bis 2015. Die Bildungsexpansion hat zu Verschiebungen in den Bildungs- und Berufsstrukturen geführt, wobei hoch qualifizierte ArbeitsmarkteinsteigerInnen zunehmend auf berufliche Positionen im mittleren Segment ausweichen müssen, zulasten von Personen im mittleren und niedrigen Qualifikationssegment. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften sind jedoch keine flächendeckenden Verdrängungsprozesse beobachtbar, denn nach wie vor bestehen Arbeitsmarktchancen im mittleren Qualifikationssegment. Die Anspannungen zeigen sich insbesondere bei Arbeitskräften ohne weiterführende formale berufsfachliche Qualifikationen sowie in den Büroberufen. Von Überqualifikation sind Frauen stärker betroffen als Männer.
Philipp Heimberger, (2017), Die Struktur der österreichischen Staatsausgaben im europäischen Ländervergleich,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S569-586
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Dieser Artikel analysiert Österreichs Staatsausgabenstrukturen im europäischen Kontext. Dabei zeigt sich, dass Österreich etwas mehr als zwei Drittel seiner gesamten Staatsausgaben für die Bereiche Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung aufwendet. Dies ist typisch für entwickelte europäische Wohlfahrtsstaaten. Ein vertiefter Vergleich mit Belgien und Deutschland fördert einige Besonderheiten in den österreichischen Ausgabenstrukturen zutage, die zu einem Großteil auf die Organisation staatlicher Leistungen, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen sowie statistische Besonderheiten zurückzuführen sind.
Günther Chaloupek, (2017), Ein think tank für die Arbeiterbewegung. Die Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung der AK Wien in ihren ersten zwei Jahrzehnten,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S587-619
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Die Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien wurde 1957 gegründet und ist der erste think tank eines Interessenverbandes in Österreich. Der Artikel gibt einen Überblick über die Tätigkeit der Abteilung in den ersten zwei Jahrzehnten ihres Bestehens. In dieser Zeit erstellte die Abteilung eine große Zahl von Studien zu Themen der Wirtschaftspolitik, die zu den Kernbereichen der Arbeitnehmerinteressen zählen: Wachstum und Investitionen, Arbeitsmarkt, die Eigentumsstruktur der österreichischen Unternehmungen, Lebensstandard und Einkommensverteilung, Wettbewerbspolitik. In zahlreichen Fällen gaben die Studien den Anstoß für Reformen und Modernisierungsschritte. Die Arbeiterkammer konnte dadurch in wichtigen Bereichen die Diskussionsführerschaft erlangen. Mitglieder der Abteilung engagierten sich in laufende wirtschaftspolitische Debatten durch Beiträge in anderen Zeitschriften. Diese Zeitschriften, vor allem die „Finanznachrichten“ und das „Neue FORVM“ bildeten eine wichtige Ebene des intellektuellen Diskurses der 60er- und 70er-Jahre, in denen sich ein neuer, technokra- tisch geprägter Stil der Wirtschaftspolitik durchsetzte. Der Artikel versucht auch eine Bilanz von Erfolgen und Enttäuschungen in den zwei Perioden der Einparteien-Regierungen (ÖVP 1966/70, SPÖ 1970/83), sowie abschließend einige Lehren aus den Erfahrungen der Anfangszeit für die heutige Situation zu ziehen.

Begutachteter Artikel

Benjamin Ferschli et.al., (2017), Bestände und Konzentration privater Vermögen in Österreich 2014/2015,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S499-534
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Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Untererfassung reicher Haushalte in der zweiten Welle des HFCS unter der Annahme einer Pareto-Verteilung für den oberen Rand der Vermögensverteilung zu korrigieren und damit eine realistischere Darstellung der Bestände und Verteilung privater Vermögen in Österreich zu liefern. Dabei wurden auf Basis von Monte-Carlo-Simulationen verschiedene Varianten der Implementierung dieser Pareto- Methode überprüft. Es hat sich gezeigt, dass bei Vorliegen nicht-gleichverteilter Antwortverweigerungen, die insbesondere die Spitze der Vermögensverteilung betreffen, der QQSchätzer in Kombination mit einer Liste der reichsten ÖsterreicherInnen gut geeignet ist, um den oberen Rand der österreichischen Vermögensverteilung statistisch abzubilden. Die Methode von Eckerstorfer et al. (2013, 2016) wurde damit um Überlegungen zu Nichtbeantwortungsproblemen erweitert. Unter der Annahme einer Pareto-Verteilung am oberen Rand der Vermögensverteilung beläuft sich das geschätzte Gesamtvermögen auf 1,317 Mrd. Euro. Wird im Vergleich dazu das Gesamtvermögen der österreichischen Haushalte basierend auf den HFCS-Daten geschätzt, ohne weitere Versuche zu unternehmen, für die Untererfassung der Vermögensspitze zu korrigieren, ergibt sich ein Wert von 998 Mrd. Euro. Der Unterschied entspricht einem Anstieg des Durchschnittsvermögens um 81.000 Euro (von 258.000 Euro auf 339.000 Euro). Der Anteil der reichsten 1% der Haushalte am österreichischen Gesamtvermögen steigt dadurch von 25% auf 41%.

Buchbesprechung

Torsten Müller, (Hrsg.), Thorsten Schulten, (Hrsg.), Guy Van Gyes, (Hrsg.), () Lohnpolitik unter europäischer „Economic Governance“. Alternative Strategien für inklusives Wachstum (ISBN: 978-3-899-65704-3),
Steffen Lehndorff, (Hrsg.), Heiner Dribbusch, (Hrsg.), Thorsten Schulten, (Hrsg.), () Rough waters. European trade unions in a time of crises (ISBN: ),
Besprochen von Michael Mesch, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S621-630 Besprechung Herunterladen
Tim Engartner, () Staat im Ausverkauf. Privatisierung in Deutschland (ISBN: 978-3-593-50612-8),
Besprochen von Gregor Lahounik, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S631-635 Besprechung Herunterladen
Christoph E. Mandl, () Auf der Suche nach Industrie-4.0-Pionieren. Die vierte industrielle Revolution im Werden (ISBN: 978-3-990-46271-3),
Besprochen von Fridolin Herkommer, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S636-639 Besprechung Herunterladen
Heide Gerstenberger, () Markt und Gewalt. Die Funktionsweise des historischen Kapitalismus (ISBN: 978-3-89691-125-4),
Besprochen von Josef Schmee, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S640-644 Besprechung Herunterladen
Ute Lampalzer, () „… die ökonomische Theorie in einen breiteren Rahmen stellen …“. Das Lebenswerk von Louise Sommer (1889-1964) (ISBN: 978-3-731-61113-4),
Besprochen von Günther Chaloupek, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S645-649 Besprechung Herunterladen
István Deák, () Kollaboration, Widerstand und Vergeltung im Europa des Zweiten Weltkriegs (ISBN: 978-3-205-20218-9),
Besprochen von Martin Mailberg, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.4, S650-654 Besprechung Herunterladen

2017 Heft 3

Artikel

 Editorial, (2017), Zu den wirtschaftspolitischen Herausforderungen für die kommende Bundesregierung,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S327-341
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Begutachteter Artikel

Stefan Ederer et.al., (2017), Effekte eines flächendeckenden Mindestlohns in Österreich,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S343-377
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Der Artikel untersucht die Auswirkungen der flächendeckenden Einführung eines Mindestlohnes in Österreich von 1.500 € oder 1.700 €. Im ersten Schritt werden mit dem WIFO-Mikrosimulationsmodell die betroffenen Personen sowie die Effekte auf Personenund Haushaltseinkommen und deren Verteilung untersucht. Im zweiten Schritt werden die Ergebnisse der Mikrosimulation ins WIFO-Macromod übernommen und die gesamtwirtschaftlichen Effekte berechnet. Wie die Ergebnisse zeigen, würde die Einführung eines Mindestlohnes einen breiten Personenkreis insbesondere am unteren Rand der Einkommensverteilung betreffen und die Einkommen dieser Gruppe deutlich erhöhen. Frauen, Niedriglohnbeschäftigte, Teilzeitbeschäftigte und Beschäftigte mit befristeten Dienstverhältnissen profitieren dabei besonders. Die Armutsgefährdung der Erwerbstätigen würde dadurch merklich sinken. Auf die gesamtwirtschaftliche Produktion und die Beschäftigung hat die Einführung eines Mindestlohnes hingegen kaum Auswirkungen.
Helmut Hofer, Gerlinde Titelbach, Stefan Vogtenhuber, (2017), Polarisierung am österreichischen Arbeitsmarkt?,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S379-404
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Technologischer Wandel und Globalisierung haben auf den Arbeitsmärkten ihre Spuren hinterlassen. Die Polarisierungshypothese geht davon aus, dass die Arbeitskräftenachfrage sowohl in den Niedrig- als auch Hochlohnberufen zulasten der Berufe im mittleren Lohnsegment ansteigt. Dies lässt sich dadurch erklären, dass in diesen Berufen überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze mit Routinetätigkeiten existieren, die aufgrund der technologischen Entwicklung wegrationalisiert werden können. Seit Beginn der 1990er-Jahre finden sich Hinweise auf Polarisierungstendenzen am Arbeitsmarkt insbesondere für die USA und Großbritannien, etwas später auch für andere europäische Länder. In diesem Artikel wird die Gültigkeit der Polarisierungshypothese für den österreichischen Arbeitsmarkt anhand der Daten der Arbeitskräfteerhebung für den Zeitraum 1994 bis 2015 untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen zwar einen relativen Beschäftigungsrückgang bei den Berufen im mittleren Lohnsegment. Da aber auch die Niedriglohnberufe an Bedeutung verlieren, besteht keine aussagekräftige Evidenz für Polarisierung. Darüber hinaus verlieren Berufe mit einem hohen Anteil an manuellen Routinetätigkeiten im Zeitverlauf an Bedeutung.
Maximilian Unger et.al., (2017), Technologischer Fortschritt und Ungleichheit: eine empirische Analyse der Entwicklung in Österreich 2008-2014,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S405-437
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In diesem Beitrag werden die wichtigsten empirischen Ergebnisse einer Studie des INEQ-Instituts der WU Wien und von JOANNEUM RESEARCH – POLICIES präsentiert, die sich mit den Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Beschäftigung und Einkommensverteilung in Österreich beschäftigt hat. Untersuchungsgegenstand der empirischen Analyse sind die Branchen der Sachgütererzeugung sowie private Dienstleistungen in der Zeit seit dem Ausbruch der Krise (2008 bis 2014). Im Gegensatz zu anderen aktuellen Studien wird hier ein breiterer Ansatz zur Erfassung des technologischen Wandels gewählt, indem sowohl die F&E (Forschungs- und Entwicklungs)-Intensität als auch der Anteil von IKT-Investitionen betrachtet werden. Für den Beobachtungszeitraum zeigt sich, dass höhere F&E-Intensität in der Sachgütererzeugung mit einem Anstieg der Lohnungleichheiten einhergeht, während bei den Dienstleistungen eine Verringerung beobachtet werden kann. Wird hingegen der Anteil der F&E-Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung in den Branchen betrachtet, so ist dieser durchgängig mit einer Reduktion der Lohnungleichheit verbunden. Der Anteil der IKT-Investitionen ist jedoch nur in den Branchen der Sachgütererzeugung und nur in Zusammenhang mit den F&E-Ausgaben signifikant negativ. Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie komplex und heterogen die Entwicklungen in den Branchen sind und zeigen zudem auf, dass wegen ihrer Bedeutung in Zukunft bei der Untersuchung der ökonomischen Auswirkungen des technologischen Fortschritts Verteilungsfragen verstärkt berücksichtigt werden müssen.

Buchbesprechung

Gilbert Faccarello, (Hrsg.), Heinz D. Kurz, (Hrsg.), () Handbook on the History of Economic Analysis (ISBN: 978-1-785-36131-9),
Besprochen von Matthias Schnetzer, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S439-443 Besprechung Herunterladen
Branko Milanovic, () Die ungleiche Welt. Migration,das Eine Prozent und die Zukunft der Mittelschicht (ISBN: 978-3-518-42562-6),
Besprochen von Michael Ertl, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S444-448 Besprechung Herunterladen
Michael Schneider, Mike Pottenger, John E. King, () The Distribution of Wealth – Growing Inequality? (ISBN: 978-1-783-47643-5),
Besprochen von Bernhard Schütz, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S449-451 Besprechung Herunterladen
Daniel Vaughan-Whitehead, () Europe’s Disappearing Middle Class? Evidence from the World of Work (ISBN: 978-1-786-43059-5),
Besprochen von Miriam Rehm, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S452-451 Besprechung Herunterladen
Peter Hutchison, (Hrsg.), Kelly Nyks, (Hrsg.), Jared P. Scott, (Hrsg.), () Noam Chomsky, Requiem for the American Dream.The 10 Principles of Concentration of Wealth & Power (ISBN: 978-1-609-80736-8),
Besprochen von Martin Schürz, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S458-460 Besprechung Herunterladen
Max Haller, Anja Eder, () Ethnic Stratification and Economic Inequality Around the World. The End of Exploitation and Exclusion? (ISBN: 978-1-409-44952-2),
Besprochen von Thomas Benedikter, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S461-465 Besprechung Herunterladen
Rudolf Mosler, (Hrsg.), Walter J. Pfeil, (Hrsg.), () Mindestlohn im Spannungsfeld zwischen Kollektivvertragsautonomie und staatlicher Sozialpolitik (ISBN: 978-3-990-46182-2),
Besprochen von Josef Zuckerstätter, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S466-469 Besprechung Herunterladen
Martin Westlake, () The European Economic and Social Committee – the House of European Organised Civil Society (ISBN: 978-0-993-45494-3),
Besprochen von Thomas Delapina, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S470-473 Besprechung Herunterladen
Marie-Janine Calic, () Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region (ISBN: 978-3-406-69830-9),
Besprochen von Martin Mailberg, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S474-479 Besprechung Herunterladen
Edith Hall, () Die alten Griechen. Eine Erfolgsgeschichte in zehn Auftritten (ISBN: 978-3-827-50092-2),
Besprochen von Felix Butschek, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.3, S480-483 Besprechung Herunterladen

2017 Heft 2

Artikel

 Editorial, (2017), Mindestlohnpolitik,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S167-176
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Kurt Bayer, (2017), Wie könnte „gute“ Globalisierung aussehen?,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S243-261
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Ungezügelte Globalisierung hat neben ihren positiven Effekten dazu beigetragen, fremdenfeindlichen Protektionismus wieder salonfähig zu machen und das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierungen zu untergraben. Handel und Auslagerungen haben in den Herkunftsländern zu Lohndruck und Arbeitslosigkeit geführt, aber die Gewinne gesichert. Die ungleichere Einkommensverteilung schürt Zukunftsängste und treibt PopulistInnen UnterstützerInnen zu. Globalisierung muss auf globaler wie nationaler Ebene reguliert werden, damit sie zu einem Instrument der Verbesserung der Lebensumstände für möglichst viele Menschen wird. Dabei sind soziale, ökologische und ökonomische Ziele mit gleicher Intensität zu verfolgen.
Martina Zandonella, (2017), Auswirkungen prekärer Lebens- und Arbeitsbedingungen auf die politische Kultur in Österreich,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S263-296
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Dieser Artikel befasst sich mit möglichen Auswirkungen prekärer Arbeits- und Lebensbedingungen auf die politische Kultur in Österreich. Der Begriff „prekär“ subsummiert dabei all jene Beschäftigungsverhältnisse, die aufgrund von unzureichender Entlohnung oder beschränkter Dauer keine längerfristige Lebensplanung erlauben und gleichzeitig mit einer geringeren sozialen Anerkennung sowie mit einer Schwächung der Zugehörigkeit zu sozialen Netzen einhergehen. Die durchgeführte Sekundärdatenanalyse des European Social Survey zeigt, dass sich die in prekärer Beschäftigung fortgeschriebenen (strukturellen) Ungleichheiten und die darin angelegten Exklusionen in beträchtlichem Ausmaß auf die politische Kultur des Landes auswirken: So untergräbt prekäre Beschäftigung das Vertrauen in politische Institutionen und nährt das Gefühl, von politischen AkteurInnen weder wahrgenommen noch repräsentiert zu werden. Bei einem Teil der Erwerbsgesellschaft ist die Entfremdung zum politischen System bereits so weit fortgeschritten, dass sie das Vertrauen in die Wirksamkeit von Partizipation verloren haben und sich nicht mehr am politischen Geschehen beteiligen. Steigt politische Partizipation jedoch mit dem Ausmaß an Eingebundenheit in gesicherte Erwerbsarbeit, bekommen bestimmte Interessen mehr Gewicht und eine gleichberechtigte Interessenseinbringung sowie eine gerechte Interessensvertretung sind nicht mehr gewährleistet. Damit sägt prekäre Beschäftigung auch an den Grundfesten der repräsentativen Demokratie.
Erich Hödl, (2017), Resource productivity and economic wealth A theoretical criticism of Europe 2020 growth policy,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S297-304
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Ein hohes Wirtschaftswachstum in den Industrieländern wird durch die zunehmenden ökologischen Begrenzungen und den konsumreduzierenden Effekt einer hohen Kapitalintensität des Wachstums in Frage gestellt. Bezüglich der Strategie Europa 2020 lässt sich unter Anwendung der modernen Wachstumstheorie zeigen, dass eine energische Steigerung der Ressourcenproduktivität mit Hilfe eines natursparenden Innovationssystems eine hohe wirtschaftliche Wohlfahrt ohne hohes Wirtschaftswachstum ermöglicht. In einer Wissensgesellschaft erhöht eine steigende Ressourcenproduktivität die Beschäftigung und die Löhne ohne dass die Kapitalrentabilität des dann verringerten Kapitalstocks gedrückt wird. Wenn die Ressourcen- bzw. Kapitalproduktivität stärker steigt als die Arbeitsproduktivität wird das gesamtwirtschaftliche Produktionssystem, das lediglich ein Transformationsinstrument zwischen der Natur und dem Konsum ist, anteilig kleiner. Und in Abhängigkeit vom Konsumniveau in den Industrieländern wird der Transfer von Realkapital in die Entwicklungsländer zunehmen.

Begutachteter Artikel

Stefanie Gerold, Michael Soder, Michael Schwendinger, (2017), Arbeitszeitverkürzung in der Praxis. Innovative Modelle in österreichischen Betrieben,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S177-204
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Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit Arbeitszeitverkürzung auf betrieblicher Ebene, ein Aspekt, der in der bisherigen Forschungsliteratur eher vernachlässigt wurde. Im ersten Teil der Studie werden sieben unterschiedliche Modelle betrieblicher Arbeitszeitverkürzung in Österreich beleuchtet. Dabei wird analysiert, welche Probleme den Anstoß zu einer Reduzierung der Arbeitszeit gaben, welche Aspekte und Motive diesen Prozess unterstützt haben, welche Barrieren und Risiken zutage traten und welche Faktoren schlussendlich zu einer erfolgreichen Umsetzung und Beibehaltung der Modelle beitrugen. Im zweiten Teil wird eines der untersuchten Modelle – die Freizeitoption – aus Perspektive der Beschäftigten analysiert. Dabei werden die Art der Verwendung sowie die subjektiven Auswirkungen auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lebensqualität und Work-Life-Balance, Arbeitszufriedenheit und -belastung, sowie Aufstiegschancen im Betrieb diskutiert.
René Böheim, Alina Steidl, (2017), Kollektivvertragliche Bestimmungen zur betrieblichen Weiterbildung in Österreich*,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S205-241
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Wir untersuchen 263 österreichische Kollektivverträge auf Bestimmungen über betriebliche Weiterbildung. Die Kollektivverträge enthalten wenige solche Bestimmungen, aber Kollektivverträge, die für Angestellte gelten, haben diese häufiger als jene für Arbeiter/innen. Die Daten des CVTS 4 zeigen, dass die Kollektivverträge von weiterbildungsaktiven Wirtschaftsbereichen häufiger Bestimmungen zur betrieblichen Weiterbildung enthalten als jene, die für weniger bildungsaktive Wirtschaftsbereiche gelten. Die Kollektivverträge der Bereiche mit den niedrigsten Weiterbildungsquoten, wie Bau und Beherbergung und Gastronomie, enthalten wenige bis keine Weiterbildungsvorschriften

Buchbesprechung

Alexander Schellinger, (Hrsg.), Philipp Steinberg, (Hrsg.), () Die Zukunft der Eurozone. Wie wir den Euro retten und Europa zusammenhalten, (ISBN: 978-3-837-63636-9),
Besprochen von Rainer Bartel, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S305-307 Besprechung Herunterladen
Michael Hartmann, () Die globale Wirtschaftselite – Eine Legende (ISBN: 978-3-593-50610-6),
Besprochen von Julia Hofmann, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S308-311 Besprechung Herunterladen
Fritz Weber, () Vor dem großen Krach. Österreichs Banken in der Zwischenkriegszeit am Beispiel der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe (ISBN: 978-3-205-78790-7),
Besprochen von Felix Butschek, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S312-317 Besprechung Herunterladen
Sebastian Conrad, (Hrsg.), Jürgen Osterhammel, (Hrsg.), () Geschichte der Welt 1750-1870. Wege zur modernen Welt (ISBN: 978-3-406-64104-6),
Besprochen von Martin Mailberg, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.2, S318-324 Besprechung Herunterladen

2017 Heft 1

Artikel

 Editorial, (2017), Wohlstandsorientierte Wirtschaftspolitik (messbar) machen,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S3-10
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Matthias Firgo, Peter Mayerhofer, (2017), Wissensintensive Unternehmensdienste als Motor des Produktivitätswachstums? Eine theoretische und empirische Bestandsaufnahme,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S11-39
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Ausgangspunkt dieses Artikels ist die in der Literatur weit verbreitete Hypothese, wonach der Strukturwandel zu Dienstleistungen wegen vermeintlich geringerer Möglichkeiten zu Effizienzsteigerungen im Tertiärbereich mit negativen Effekten auf die gesamtwirtschaftliche Produktivitäts- und Wachstumsentwicklung verbunden sei. Nach unseren Ergebnissen kann diese Hypothese – zumindest für die NUTS-2-Regionen Österreichs bzw. der EU-27 und die untersuchte Zeitperiode (1991-2012) – verworfen werden. Dies einerseits, weil die Tertiärisierung in den letzten Jahrzehnten vorrangig durch das Wachstum wissensintensiver Unternehmensdienstleistungen (knowledge intensive business services, KIBS) getrieben war und diese Dienste in weiten Teilen selbst hoch produktiv sind. Vor allem aber zeigt unsere Evidenz klar positive (direkte plus indirekte) Gesamteffekte auf die regionale Produktivität, welche von KIBS wegen ihrer besonderen Rolle in Wissens-Spillovers auf die Effizienzentwicklung in anderen Wirtschaftsbereichen ausgehen. Damit sprechen unsere Ergebnisse für eine Wirtschaftspolitik, welche den fortschreitenden Wandel zum Dienstleistungsbereich als Bestandteil moderner Wirtschaftsentwicklung begreift und das Potenzial von KIBS als Treiber von Wissens-Spillovers und Produktivitätsdynamik verstärkt nutzt. Der Artikel schließt daher mit Überlegungen zu sinnvollen förderpolitischen Ansatzpunkten zur Entwicklung wissensintensiver Unternehmensdienste bei knappen finanziellen Ressourcen.
Pirmin Fessler, Martin Schürz, (2017), Länderunterschiede in der Vermögensungleichheit in Europa,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S41-64
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Zwischen 2010 und 2014 ist die Vermögensungleichheit im Euroraum leicht gestiegen. Immobilienpreisänderungen spielten im Vergleichszeitraum 2010-2014 eine besondere Rolle für die Vermögenspositionen der privaten Haushalte. Die Top-1% halten 18,4% am gesamten Nettovermögen. Das Mediannettovermögen im Euroraum ist um 10% gesunken. Die Vermögensrückgänge waren in den unteren Quintilen ausgeprägter als in den vermögenderen Quintilen. Die größten Vermögenseinbußen erfuhren die Haushalte im untersten Vermögensquinitil. Die im Vergleich zu anderen Euroraumländern hohe Vermögensungleichheit in Deutschland und Österreich ist auf institutionelle Gemeinsamkeiten (Wohlfahrtsstaat, niedrige Immobilieneigentümerquote, niedrige vermögensbezogene Besteuerung, viele Einpersonenhaushalte)zurückzuführen.
Georg Adam, (2017), Die Arbeitsbeziehungen in liberalisierten Wirtschaftsbereichen in Österreich im Vergleich,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S65-98
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Wie auch in anderen Ländern hatte die Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in Österreich weitreichende Konsequenzen für die Gestaltung der Arbeitsbeziehungen. Der Beitrag analysiert die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen in fünf ausgewählten liberalisierten Wirtschaftsbereichen, nämlich den Post- und Telekommunikationsdienstleistungen sowie der Eisenbahn-, Gas- und Abfallwirtschaft. Dabei zeigt sich, dass die fünf Branchen in wesentlichen Aspekten der Arbeitsbeziehungen – etwa der Präsenz der Interessenvertretungen auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite oder der branchenumfassenden(Nicht)Einheitlichkeit der Gestaltung der kollektiven Regulierung der Arbeit – nicht nur vom österreichischen „Standardmodell“ abweichen, sondern sich auch untereinander erheblich unterscheiden. Darüber hinaus wird nach möglichen Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungswege gefragt, wobei sich hier insbesondere ökonomische, institutionelle sowie interessen- und akteursbezogene Bestimmungsgrößen identifizieren lassen. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die durch den Liberalisierungsprozess induzierten Entwicklungswege der Arbeitsbeziehungen in den unterschiedlichen Branchen sich tendenziell nicht angleichen, sondern wesentlich pfadabhängig verlaufen.

Begutachteter Artikel

Britta Gehrke, Brigitte Hochmuth, (2017), Rettet Kurzarbeit in Rezessionen Arbeitsplätze?,Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S99-122
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Kurzarbeit ermöglicht es Firmen, die von einem vorübergehenden Nachfrageausfallbetroffen sind, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten temporär zu reduzieren. Gleichzeitig kompensiert der Staat einen Teil des Lohnausfalls. Kurzarbeit ist somit ein zielgerichtetes arbeitsmarktpolitisches Instrument zur Flexibilisierung des Arbeitsinputs, das Kündigungen vermeidet und die Beschäftigung stabilisiert. Während der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 hat eine Vielzahl der OECD Länder Kurzarbeit genutzt. Dabei war der Anteil der KurzarbeiterInnen an der Beschäftigung in Deutschland etwa fünfmal so hoch wie in Österreich. In diesem Beitrag stellen wir die Ergebnisse unseres aktuellen Forschungsprojektes zum Thema Kurzarbeit vor. Darin trennen wir diskretionäre Kurzarbeitspolitik von der regelgebundenen Komponente und fokussieren uns auf mögliche zeitvariierende Effekte. Unsere Ergebnisse für Deutschland zeigen, dass die Effekte von diskretionären ad-hoc Politikmaßnahmen stark zeitabhängig sind: In tiefen Rezession wirkt diese Politik deutlich beschäftigungsstabilisierend. Im Gegensatz dazu sind die Effekte in normalen Zeiten oder in Wirtschaftsaufschwüngen wesentlich geringer und können sogar negativ werden. Demnach ist diskretionäre Kurzarbeitspolitik umso effektiver, desto tiefereine Rezession ist. Eine Analyse der Wirkungskanäle zeigt, dass die Beschäftigungseffekte durch eine signifikante Reduktion von Kündigungen zustande kommen.

Buchbesprechung

Martin Myant, (Hrsg.), Sotiria Theodoropoulou, (Hrsg.), Agnieszka Piasna, (Hrsg.), () Unemployment, internal devaluation and labour market deregulation in Europe (ISBN: 978-2-874-52396-0),
Frank Bsirske, (Hrsg.), () Gewerkschaften in der Eurokrise. Nationaler Anpassungsdruck und europäische Strategien, (ISBN: 978-3-899-65681-7.),
Besprochen von Michael Mesch, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S123-132 Besprechung Herunterladen
Gustav Horn, () Wirtschaftliche Krisen bewältigen: Neue Erkenntnisse aus den jüngsten Krisen (ISBN: 978-3-658-05475-5),
Besprochen von Markus Marterbauer, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S133-136 Besprechung Herunterladen
Harald Hagemann et.al., () Wachstums- und Investitionsdynamik in Deutschland (ISBN: 978-3-731-61240-7),
Besprochen von Günther Chaloupek, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S137-143 Besprechung Herunterladen
Étienne Balibar,, () Europa: Krise und Ende? (ISBN: 978-3-896-91842-0),
Besprochen von Josef Schmee, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S144-147 Besprechung Herunterladen
Hanno Beck, () Globalisierung und Außenwirtschaft. Eine praktische Einführung mit vielen Beispielen und Übungsaufgaben (ISBN: 978-3-8006-5124-5),
Besprochen von Werner Hauser, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S148-150 Besprechung Herunterladen
Irene Schöne, () Fair Economics. Nature, Money and People Beyond Neoclassical Thinking (ISBN: 978-0-857-84309-8),
Besprochen von Edoardo Beretta, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S151-154 Besprechung Herunterladen
Sandra Richter, Guillaume Garner, () „Eigennutz“ und „gute Ordnung“. Ökonomisierungen der Welt im 17. Jahrhundert (ISBN: 978-3-447-10491-3),
Besprochen von Andreas Weigl, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S155-157 Besprechung Herunterladen
Wolfgang Reinhard, () Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415-2015 (ISBN: 978-3-406-68718-1),
Besprochen von Martin Mailberg, Wirtschaft und Gesellschaft 2017, Band 43 Nr.1, S158-163 Besprechung Herunterladen